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Island - Der Reisebericht - Teil #4

Dienstag, 28. März

Langsam näherte sich unsere Umrundung Islands dem Ende und wir hatten den 'Kreis' bereits beinahe geschlossen. Nachdem wir die Nacht in Bogarnes im Auto geschlafen hatten und uns auf der Toilette der Tankstelle die Zähne geputzt hatten, machten wir uns auf den Weg ein Stück ins Landesinnere. Wir erreichten dabei als erstes ein Geothermalgebiet, in dem heißes Wasser in Massen aus dem Boden schoss. Jede Sekunde schießen dort rund 180 Liter kochendes Wasser  zwischen den Steinen hervor. Um die Quelle herum stehen einige Gewächshäuser, die sich die Energiequelle zunutze machen.




Unser Weg führte uns zu einem Fluss, der mit seinen zahlreichen Kaskaden und Wasserfällen einen schönen Anblick bot.







Ein Stück weiter entlang der Strecke erreichten wir ein kleines Waldgebiet, das von Hügeln umgeben war. Den Rest des Tages machten wir eine Wanderung auf einen der schneebedeckten Hügel. Während der Aufstieg bisweilen recht mühsam war, ging es hinunter ganz einfach rutschend auf der Schneedecke.





A: Bogarnes
B: Geothermalquelle
C: Wasserfälle
D: Wanderung
E: Akranes

Mittwoch, 29. März


Von Akranes aus starteten wir zum Glymur, dem höchsten Wasserfall Islands. Er ergießt sich in einer Felsspalte in die Tiefe und ist nur nach einer Wanderung zu erreichen. Da nur relativ wenig Schnee in der umliegenden Landschaft lag, hofften wir darauf, dass der Weg zum Wasserfall einigermaßen passierbar sei, doch wir wurden enttäuscht. Zwar wurde tatsächlich nicht der Schnee zu unserem Hindernis, doch das Element war dasselbe. Ein Fluss, der sich durch das Tal zog, welches wir durchqueren mussten versperrte uns den Weg. So begnügten wir uns mit dem Ausblick auf die umliegende Landschaft und kehrten ohne den Wasserfall tatsächlich erreicht zu haben zum Auto zurück.

Der Fluss, der uns den Weg versperrte


Nach einem weiteren Stück Autofahrt machten wir an einer Sitzgelegenheit am Straßenrand Pause um eine Suppe zum Mittagessen warm zu machen. Direkt neben dem Ort, an dem wir aßen waren die Überreste eines ehemaligen Gebäudes zu sehen, das dort wohl einige Jahrhunderte zuvor gestanden war.


Den restlichen Tag verbrachten wir im Pingvellir Nationalpark, einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Islands, was wir auch durch die Zahl der Touristen deutlich spürten. Im Gegensatz zum menschenleeren Norden der Insel waren hier nun fast Menschenmassen unterwegs. Der Pingvellir (ausgesprochen Thingvellir) ist der Ort Islands, an dem der Grabenbruch zwischen eurasischer und nordamerikanischer Platte am deutlichsten wird. Durch den gesamten Nationalpark ziehen sich die Felsspalte zwischen den Kontinenten. Ein weiterer Teil des Nationalparks ist das 'Dorf' Pingvellir. Innerhalb des Nationalparks gab es einen Campingplatz, auf dem wir die Nacht verbrachten.




Wasserfall zwischen den Kontinenten





A: Blönduos
B: 'Pool'
C: Burdadalur

Donnerstag, 30. März

Den heutigen Tag verbrachten wir damit, den goldenen Zirkel entlangzufahren. Dabei handelt es sich um die meistbesuchte Touristenattraktion Islands, die selbst im März bereits völlig überrannt ist. Er besteht aus drei großen Sehenswürdigkeiten: Dem Pingvellir Nationalpark, den wir bereits am Tag zuvor besucht hatten, dem Geysir und dem Gulfoss-Wasserfall.
Zuerst erreichten wir den Stóri Geysir (großen Geysir), der Namensgeber aller anderen Geysire der Welt ist. Aller paar Minuten schießt dort das heiße Wasser empor und erreicht dabei teilweise Höhen von bis zu 20 Metern. Die Aktivität des großen Geysirss schwankt über die Jahre hinweg stark und in der Vergangenheit war er teilweise für ganze Jahrzehnte inaktiv. In den 1970ern hat man sogar Schmierseife benutzt um ihn für die Touristen zum Ausbrechen zu bringen. Seit einem Erdbeben im Jahr 2000 ist er wieder aktiv und schießt gelegentlich heißes Wasser in die Höhe. Kurz nach dem Erdbeben erreichten diese Fontänen eine Höhe von über 100 Metern, womit sie zu den größten Geysir-Ausbrüchen überhaupt zählen. Heutzutage sind die Ausbrüche relativ unregelmäßig und die Chance sie zu sehen, relativ gering. Dafür ist der direkt daneben gelegene Strokkur umso aktiver. Nahezu alle 5-10 Minuten schießt er das Wasser bis zu 20 Meter in die Luft. Um den Geysir herum stehen fast immer hunderte Touristen mit dem Handy in der Hand, um im richtigen Moment das Selfie zu schießen.





Bilderserie eines Ausbruchs:


Der große Geysir selbst ist Teil eines größeren Geothermalfeldes und um ihn  herum sprudelt es noch an einigen weiteren Stellen warm aus dem Boden. Ein niedlicher Anblick ist das Becken samt Schild des Litli Geysir - des kleinen Geysirs.



Der große Geysir ruht

Direkt neben dem   Geothermalfeld befindet sich ein riesiger Shop mit allerlei Souvenirs. Besonders amüsant waren leere Blechdosen mit der Aufschrift 'Luft aus Island',  die satte 10€ kosteten.



Der dritte und letzte Stopp entlang des goldenen Zirkels war der Gullfoss- Wasserfall. Mit einem Lärm und einer Wucht stürzen sich dort in zwei Stufen ungeheure Wassermassen  in  die Tiefe. Dabei wird soviel Wasser aufgewirbelt, dass einem die Brille auch in 100 Metern Entfernung noch nass wird.






Nachdem wir den goldenen Zirkel beendet hatten, ging es wieder zurück in Richtung Küste. Nach einem kurzen Besuch in einem Schwimmbad erreichten wir am frühen Nachmittag die Ringstraße und schlossen damit technisch gesehen die Umrundung Islands ab. Doch unser Weg führte uns zunächst von der Ringstraße weg hin bis zur Küste. Dort konnten wir nicht nur ein nachgebautes altes Häuschen von Fischern, sondern auch die wunderschönen Strände mit dem geometrisch geformten Vulkangestein bestaunen.












Die Küstenlandschaft war ziemlich spektakulär, da sie fast ausschließlich aus erstarrter Lava bestand. Weit aus dem Landesinneren war viele Jahre zuvor Lava über eine Strecke von mehr als 50 Kilometern dort zum Meer geflossen, wo sie erkaltete und erstarrte. Entlang der Strände und bis ins Meer hinein erstreckt sich somit eine skurille Kombination aus Sand und Vulkangestein, die man sonst selten so vorfindet.

Nachdem wir genug von der Küste gesehen hatten fuhren wir nach Selfoss, eine Stadt die wir bereits ganz zu Beginn unserer Reise durchquert hatten. Wir verbrachten die Nacht auf einem Campingplatz, dem wir schon am zweiten Tag unser Reise einen kurzen Besuch abgestattet hatten. Dort gab es auch einen Whirlpool und so setzten wir uns zu drei jungen Amerikanern in das heiße Wassern und unterhielten uns während über uns zum dritten und letzten Mal das Schauspiel der Polarlichter seinen Lauf nahm.



A: Egilsstadir
B: Seydisfjördur
C: Lagarfljót
D: Mödrudalur

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