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Ein Monat in Uganda

Heute ist es genau einen Monat her, dass ich hier angekommen bin. Ja richtig, einen Monat lang bin ich schon hier. Wie schnell doch die Zeit vergehen kann. Es gibt so viel, was ich euch noch erzählen muss und es wird jeden Tag mehr, aber ich versuche das hier im Blog immer etwas zu bündeln, damit ich nicht zwanzigmal was zu meiner Schule schreibe, sondern lieber ein paar Mal und dann ausführlich. Also bitte noch etwas Geduld, es ist schon das ein oder andere (auch Videos) in Arbeit.

Diesen Post möchte ich mal für einen kleinen Rückblick auf die letzten Wochen nutzen. Das ein oder andere wird euch also schon bekannt vorkommen, aber ich fand, dass es trotzdem ganz schön ist, das Ganze mal an einer Stelle zu schildern.

Am 06. September bin ich nach einem beeindruckenden Flug mit tollem Blick auf Osteuropa und die Saharawüste hier in Uganda angekommen. Meine Gitarre war ebenfalls mit dabei, mein Rucksack jedoch verbrachte die Nacht in Brüssel am Flughafen - er hatte den Anschluss nicht geschafft. Das Gefährt, mit dem wir vom Flughafen abgeholt wurden, sorgte bei mir gleich für Verwunderung. Ein Gefährt von der Größe eines VW-Busses mit 14 Sitzen, in dem wir Freiwillige nun mit unserem Gepäck 'verstaut' wurden. Auf der Fahrt blickte ich aus dem Fenster und bemerkte gleich zwei Sachen. Zum einen den Geruch ungefilterter Abgase von den anderen Autos und den ungewohnten Sternenhimmel über mir. Ich wusste natürlich, dass ich nun am Äquator angekommen war und die Hälfte des Himmels mit Sternbildern des Südsternhimmels gefüllt war, die ich gar nicht kannte. Am Straßenrand konnte ich nur wenig erkennen in der Dunkelheit. Lediglich das regelmäßige Auftauchen von dutzenden Bettgestellen am Straßenrand rief meine Verwunderung hervor. Ich wusste ja noch nicht, dass hier alles - wirklich alles - in unzählbar vielen kleinen Läden an der Straße verkauft wird. Da gehören Möbel und das Bettgestell (was ja irgendwie das wichtigste Möbelstück ist) natürlich auch dazu. Keine drei Wochen später sollte ich bei genau einem solchen 'Furniture Shop' selbst einen Schrank für mein Zimmer bei der Gastfamilie in Auftrag geben. Was ich in jener knapp einstündigen Nachtfahrt auch noch nicht wusste: Das merkwürdige Gefährt würde bald mein täglicher Begleiter und mich unter dem Namen 'Matatu' entlang der großen Straßen von A nach B bringen. Und dass trotz der nur 14 Sitzplätze manchmal bis zu 20 Leute in einem Taxi unterwegs sind.

Bei UPA angekommen war es (auch aufgrund meiner Verlustmeldung des Rucksacks) schon sehr spät und trotzdem saßen wir noch eine Weile zusammen und tranken Tee. Das Thema war interessanterweise die Frage, ob man hier in der Gastfamilie weiter vegetarisch leben könnte oder darauf verzichten sollte. Immerhin fünf der sechs Anwesenden aßen zu dem Zeitpunkt kein Fleisch. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nichtmal, dass ich mich von da an quasi vegan ernähren würde, da Milchprodukte nicht so üblich sind - auch aufgrund der Haltbarkeit (doch dazu später mehr).



Am nächsten Morgen merkte ich gleich, dass die Regler für 'Warm' und 'Kalt' in der Dusche dieselbe Funktion hatten, nämlich 'Kalt'. Sofort erinnerte ich mich an einen Urlaub auf Kreta vor vielen Jahren, bei dem ich Löcher in eine Flasche stach und diese dann in die Sonne stellte, um heiß zu duschen. Mir kam zugute, dass es hier (auch, weil das Leitungswasser nicht trinkbar ist) Flaschen neben den gewöhnlichen Größen auch in 5l-, 10l- und 20l-Flaschen gibt. Mit einer 5l-Flasche baute ich mir nun meine eigene Dusche, die ich jeden Morgen mit Leitungswasser und Wasser aus dem Wasserkocher befüllte, um so einigermaßen warm duschen zu können.

An jenem Morgen lernte ich auch gleich die restliche Truppe an Freiwilligen kennen, die von der Organisation ENVIA Köln entsendet werden (bei der ich mich auch beinahe beworben hatte). Gemeinsam ging es in den Vorbereitungsunterricht, in dem Sam (Leiter von UPA) uns mithilfe des Flipcharts alles Relevante zu Uganda erklärte. Der Vortrag war sehr interessant, aber nach fast drei Stunden auch etwas monoton und ermüdend. Am Mittag hatte ich meinen ersten Kontakt mit dem lokalen Essen. Es gab Reis mit Erbsen und Bohnen (wobei die Erbsen hier größer sind und anders schmecken als bei uns). Gleich fiel mir auf, dass die meisten Gegenstände ihren Schatten nahezu vertikal nach unten warfen - die Sonne im Zenit am Mittag war ebenfalls neu für mich. 

Am nächsten Tag ging es nach Kampala, die Hauptstadt Ugandas. Wir kamen beim Taxi Park an und gleich sahen wir uns umgeben von unzähligen Verkäufern, die ihr Angebot entweder auf einem Tuch am Boden ausgebreitet hatten oder einen kleinen Laden in den mehrstöckigen Gebäuden hatten. Diese beherbergen oft hunderte Läden, die dicht nebeneinander untergebracht sind. Auf den Straßen wurden wir angeschaut bzw. angestarrt und oft war 'Muzungu' zu hören, was soviel wie Weißer bedeutet. Wie eine Attraktion wurden wir betrachtet, während wir durch die Straßen liefen. Viele Verkäufer machten uns lautstark und manchmal auch recht aufdringlich auf ihre Waren aufmerksam. Als nächstes ging es in den großen Mega Standard Supermarkt, der auf vier oder fünf Stockwerken alles Mögliche verkauft. Von Lebensmitteln bis hin zu Fernsehern oder Waschmaschinen kann man dort fast alles bekommen. Trotzdem ist es für mich manchmal frustrierend, wenn ich dort Schöpfkellen in 192 Größen finde, aber Frischkäse überhaupt nicht vorhanden ist. Aber wie bereits erwähnt, sind Käse und andere Milchprodukte hier eine Seltenheit. Wir besuchten noch die Post von Kampala und das Uganda National Museum. Zum Mittagessen gingen wir in ein Restaurant, wo wir für umgerechnet 2€ sehr leckeres Local Food bekamen.



Nach einigen weiteren Tagen bei UPA mit Vorbereitung ging es schließlich für mich in die Gastfamilie. Christopher Brooks und Anna Brooks sind die Eltern der 8 Kinder Joan, Monica, Julie, Molly, Bridget, David, Ceaser, Bannah. Es gibt aber noch 4 weitere Kinder, die ich bisher noch nicht kennengelernt habe, weil sie nicht daheim wohnen. Die Alterspanne der genannten Kinder umfasst dabei mehr als 15 Jahre. Untergebracht sind die Kinder in 3 Zimmern, wovon eines lediglich aus einer Matraze am Boden besteht und in den anderen drei bzw. vier Betten stehen. Da passt mein doch recht geräumiges Zimmer mit nur einem Bett nicht so ganz ins Bild. Inzwischen hat sich mein Zimmer bereits mehrfach geändert, da über dem Bett nun ein Moskitonetz hängt, an der Wand Haken als Gaderobe installiert wurden und ich mir ein kleines Regal gekauft habe, um dort mein Zeug zu verstauen. Es ist nun recht wohnlich dort - trotzdem kehre ich zum Lesen und Entspannen gerne auch mal aufs Sofa im Wohnzimmer zurück. Wie es hier bei meiner Gastfamilie sonst so aussieht, habt ihr ja schon im Blogbeitrag Wohnen bei der Gastfamilie gesehen. In einem in Kürze folgenden Video (Link wird nach Erscheinen hier nachgereicht) werde ich euch noch ein wenig über das Leben hier erzählen. Generell ist die Gastfamilie unglaublich gastfreundlich und will sich um alles kümmern - beim Waschen meiner Klamotten habe ich dann aber Nein gesagt. Das macht es für mich einerseits natürlich sehr angenehm, behindert aber teilweise auch meine Integration in das Familienleben. Auch die Tatsache, dass jeder immer entweder mit putzen oder kochen oder irgendetwas Anderem beschäftigt ist, sorgt dafür, dass ich nur selten lange Gespräche mit den Kindern oder Eltern habe. Manchmal kann die Fürsorge auch etwas anstrengend sein, wenn ich bei jedem Aufenthalt im Wohnzimmer gleich gefragt werde, warum ich denn keinen Tee nehme. Auch das dauerhafte Fernsehen ist etwas anstrengend, da es eher kommunikationshemmend wirkt. Meistens ist es der Stromausfall, der uns alle mal zusammen an den Tisch bringt. Diese sind aber recht selten geworden in den letzten Wochen. Offensichtlich wurden vorhandene Defekte oder Instabilitäten im Netz behoben. Auch wenn ich mal für alle koche, sitzen wir mal länger beisammen.



Die ersten Wochen hier waren, was mein Projekt angeht, relativ chaotisch und ich hatte viel freie Zeit, die ich zum Teil in der Gastfamilie verbrachte oder indem ich nach Kampala fuhr oder zu UPA, um mich mit anderen Freiwilligen zu treffen. Der Aufenthalt bei UPA ist immer etwas besonderes, da fast jeden Tag Freiwillige kommen und gehen und man so fast ständig neue Gesichter sieht. Mit Japan, Finnland, Frankreich, Österreich, Belgien, USA und einigen weiteren Ländern ist die Gruppe auch ziemlich international. Oft sitzen wir zusammen und spielen Karten oder unterhalten uns. Ein Highlight war, als ich mit dem finnischen Freiwilligen Eelis durch Nansana lief und wir auf eine Gruppe von Musikern aufmerksam wurden, die mit ihren Trommeln einen afrikanischen Tanz begleiteten. Kurze Zeit später saßen wir nämlich selbst an den Trommeln und spielten gemeinsam mit den Einheimischen. Auch sehr schön war unser gemeinsames Musizieren (Er an der Cajón, Ich an der Gitarre) zum  Abschied eines spanischen Freiwilligen vor wenigen Tagen.

Bei meinem Projekt musste ich die ersten Wochen fast jeden Tag nachfragen, ob es denn inzwischen einen Stundenplan gibt. Inzwischen ist mein Zeitplan fast fertig und es hat sich ergeben, dass ich nur 2.5 Tage in der Woche dort arbeiten werde. Die Arbeit ist zwar fordernd, macht mir aber auch viel Spaß. Die sehr einfachen Zustände in der Schule sind nicht wirklich ein großes Hindernis, da ich für meinen Unterricht im Moment mit Tafel und Kreide ganz gut auskomme. Die anderen Lehrer sind fast alle sehr jung und waren teilweise selbst vor ein paar Jahren noch Schüler an genau dieser Schule. Ihr Umgang mit den Schülern ist relativ entspannt, aber auch ihr Unterrichtsstil ist recht wenig pädagogisch und hauptsächlich vortragend wie etwa eine Vorlesung an der Uni. Das scheint hier aber recht üblich zu sein. Nur ein Lehrer ist etwas älter und verpasst den Schülern auch gerne mal einen kleinen Hieb, wenn sie sich nicht entsprechend verhalten. Oft frage ich mich, wie viel die Schüler durch diese Art des Unterrichts wirklich lernen und ob die sehr frontale und monotone Art des Unterrichts den Lerneffekt nicht mindert. Ich versuche, den Schülern immerhin manchmal direkt Fragen zu stellen oder sie in Stillarbeit Aufgaben erledigen zu lassen, um sie aus dem frontalen Vortragsfluss der anderen Lehrer herauszuholen. Oft sitzen sie dann erstmal untätig da, aber sobald ich durch die Reihen gehe und einen Blick auf ihre Hefte werfe, fangen sie an zu arbeiten. Vor ein paar Tagen hatte ich euch ja bereits ein wenig über meine Arbeit in der Schule berichtet.



Gestern hatte ich meinen ersten Tag an der zweiten Schule, an der ich den Rest der Woche arbeiten werde. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Die Klassen sind viel größer, die Schule selber riesig im Vergleich zu Muyonjo, die Ausstattung besser und das Bild der Schule gepflegter und moderner. Ob das für den Unterricht und für die Schüler einen Unterschied macht, weiß ich noch nicht. Vielleicht wird sich das zeigen, wenn ich meine ersten Unterrichtsstunden dort halten werde.

Ansonsten hat der Alltag inzwischen eine gewisse Regelmäßigkeit erreicht. An fast alles habe ich mich inzwischen gewöhnt und vieles erscheint mir inzwischen ganz normal. Doch hinsichtlich bestimmter Dinge habe ich immer noch meine Schwierigkeiten. Dazu zählt das späte Abendessen - oft muss ich vorher ein paar Brote essen, da ich es nicht bis 21:30 aushalte. Das versteht die Gastfamilie aber auch recht gut (vermutlich auch durch die vorherigen Freiwilligen) und bietet mir am frühen Abend bereits an, ein paar Scheiben Brot zu nehmen. Auch der Staub und die Abgase auf den Straßen (insbesondere auf den Dirt Roads) sind beim Laufen bisweilen sehr anstrengend. Aber es gibt inzwischen eigentlich keine großen Probleme mehr mit denen ich mich täglich konfrontiert sehe. Meist besteht mein Tag aus Arbeit, Besuch bei UPA, Einkaufen und Gastfamilie und gelegentlich passiert halt mal was besonderes.



Morgen unternehme ich meinen ersten Trip und fahre für eine Nacht in den Regenwald Mabira Forest. Das ist etwas, wovon ich schon seit vielen Jahren träume und nun kann ich es endlich erfüllen. Ich bin schon sehr gespannt auf den Trip und auf die nächste Zeit, inbesondere in meinem neuen Projekt. Die Zeit vergeht so schnell und es gibt noch so viel zu sehen und entdecken hier. Ich werde euch auf dem Laufenden halten. Bis dann!

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