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Es ist (nicht) so einfach - #1

In dieser Reihe werde ich euch Dinge vorstellen, die hier nicht so einfach sind wie man das von Deutschland gewohnt ist. Gleichzeitig werde ich immer auch Aspekte des täglichen Lebens gegenüberstellen, die hier einfacher und entspannter ablaufen. Ziel des ganzen ist es, euch ein besseres Gefühl für die kleinen Dinge im Leben hier zu geben, damit ihr besser verstehen könnt, wie ein Alltag hier funktioniert.

Es ist nicht so einfach

Wasser

Das Leitungswasser ist nicht trinkbar und außerhalb der Hauptstadt kann man es nicht einmal zum Ausspülen beim Zähneputzen benutzen. Das bedeutet, dass man ständig in Plastikflaschen verpacktes Wasser kaufen muss oder Leitungswasser aufkochen muss. Häufig gibt es auch gar kein fließendes Wasser und das Duschen muss mit dem Eimer erfolgen. Ich hab mir schon überlegt, Löcher in die leeren Plastikflaschen zu stechen und mir so eine Ersatzdusche zu basteln.

Diebstahl

Gerade in der Dunkelheit und abseits der Hauptstraßen ist das Risiko, überfallen zu werden als Muzungu (Weisser) recht hoch und auch sonst sollte man es vermeiden, offen mit Wertgegenständen wie Kameras herumlaufen. Das macht es natürlich schwierig für mich, für euch den Alltag hier einzufangen, doch mit ein bisschen Vorsicht und Fingerspitzengefühl bekomme ich das schon hin. Um Taschendiebstahl zu vermeiden, laufen wir hier meistens mit Bauchtaschen herum, teilweise mit einem Arm umklammert oder mit einem Rucksack der vor dem Bauch getragen wird. Generell ist das Risiko nur in den ärmeren Vierteln und im Stadtzentrum groß, aber aufmerksam sollte man trotzdem immer sein.

Es ist so einfach

Dienstleistungen

Egal ob man etwas zu Essen kaufen möchte oder eine SIM-Karte kaufen will oder die Schuhe reparieren will. Für fast jeden Bereich des Alltags kann man in wenigen Minuten einen entsprechenden Laden/Stand finden. Selbstverständlich ist das Angebot und die Qualität nicht immer mit dem in Deutschland vergleichbar, aber während wir inzwischen von Internet-Händlern wie Amazon abhängig geworden sind, kann man hier nahezu alles direkt von der Straße kaufen. Das führt dann zu dem surrealen Anblick, dass Bettgestelle, Handys und Hühner direkt nebeneinander verkauft werden, gibt einem aber auch einen gewissen Komfort, Flexibilität und Freiheit, die man bei uns oft nicht hat. Generell wird Uganda häufiger als das weltweit unternehmerischsten Land eingestuft mit vielen kleinen Start-Ups und Dienstleistern, die aus dem Boden schießen (https://www.startuprounds.com/entrepreneurial-country-world-hint-not-u-s/).

Transport

Klar kann man in Deutschland in den Großstädten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schnell und umweltfreundlich von A nach B reisen. Doch die Unkompliziertheit und Flexibilität eines Matatus erreicht das nicht. Den ganzen Tag fahren diese Gefährte von der Größe eines VW-Busses die Hauptstraßen auf und ab und sammeln jeden ein, der am Straßenrand winkt um ihn ein Stück mitzunehmen. Die Preise sind aufgrund des sehr schwachen Wechselkurses für uns natürlich unglaublich gering (0,10-0,50€/Fahrt) und sind meist auch verhandelbar. In Bequemlichkeit und Umweltfreundlichkeit (schwarze Wolken aus dem Auspuff) hinken sie dem ÖPNV in Deutschland zwar um Welten hinterher aber dafür kann man quasi überall und jederzeit dorthin fahren, wo man hin möchte. Neben den Matatus gibt es auch die Bodas (Motorräder), auf denen man sich chauffieren lassen kann. Dabei sollte man aber ein wenig Vertrauen in den Fahrer haben oder ihn gleich persönlich kennen, da es oft zu Unfällen kommt. Hier werde ich euch noch einmal separat berichten. Generell ist das Fortbewegen in der Nähe der Hauptstadt zwar manchmal mit Gedränge und Chaos verbunden, aber man wird nie vor dem Problem komplizierter Fahrpläne stehen, sondern kann sich immer sicher sein mit dem nächsten Matatu nach Hause zu kommen.


Das war es fürs Erste. Bis Bald!

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